Eine ganze Woche ist unsere kleine Maus nun schon bei uns - und wie gerne würde ich schreiben, dass die Geburt wunderbar war, einzigartig, ein ganz tolles, besonderes Erlebnis... Dass sich all die Vorbereitung auf eine natürliche, spontane Geburt mit Hypnobirthing, der Hebammen-Sprechstunde, ätherischen Ölen, Kräutertees, Entspannungsübungen etc. gelohnt hat... Ihr ahnt es bereits - leider nein. Denn leider stimmt der Spruch "Es kommt immer anders als man denkt." Und sogar darauf war ich vorbereitet, ich habe nie damit gerechnet dass meine Vorstellung von der Geburt wirklich zutreffen würde und dachte damit hätte ich schon eine sehr "offene" Einstellung und würde es auf mich zukommen lassen. Aber man muss diesen Spruch offensichtlich noch erweitern, denn es kommt so wie du noch nie gedacht hast.
Vorneweg - Ist die kleine Maus das tollste was ich je gesehen habe? Yes! Bin ich glücklich dass ich sie habe und würde ich das alles für sie wieder tun? Ja, sofort! Das möchte ich der Geburtsgeschichte vorausschicken, denn ich weiß wie mein Verarbeiten dieser Geschichte zeitweise klingen kann...
- Die letzen Tage vor der Geburt -
Nachdem der Geburtstermin kam und ging war ich eigentlich noch sehr entspannt - denn ich hatte mich mit Schwangerschaft und Geburt soweit auseinandergesetzt dass ich diesen "Ratetermin" sehr gut einzuschätzen wusste. Der Geburtstermin ist nun einmal nur ein statistisch berechneter Termin, an dem nur 4% aller Babys wirklich zur Welt kommen. Der Großteil kommt in den 10 Tagen davor bis 10 Tage danach. 10 Tage abzuwarten war für mich persönlich also kein Problem. Bis mein Arzt mir schon an Tag 1 nach dem Termin empfahl ins Krankenhaus zur Einleitung zu fahren, bis Freunde und Familie nicht aufhörten zu fragen wann es denn soweit sei oder die Situation mit "immer noch nicht?!" zu kommentieren, bis Kollegen sich öffentlich auf Facebook dazu äußerten dass es doch bald soweit sein müsste... Ich hätte nie gedacht dass mich so etwas tangieren würde, aber leider tat es das. Der Druck stieg. Der Arzt drängte zur Einleitung denn "man tut den Kindern nach dem Termin nichts Gutes mehr" (völliger Blödsinn, denn NIEMAND weiß den genauen Termin!!!) und ich nahm langsam jede Äußerung bzgl. der anstehenden Geburt als persönliche Beleidigung. Das lässt sich als Außenstehender sicher nicht nachvollziehen, aber für eine Schwangere kann das die Hölle sein. Trotz allem war ich so überzeugt von einer spontanen Geburt (ohne Einleitung!), dass ich mich zur Ruhe zwang und einfach abwartete. Natürlich nicht ohne ein paar alternative Methoden, wie die einleitende Akupunktur oder Stadelmanns "Ut-Öl" zu versuchen (diese können nur dann etwas anstoßen wenn der Körper auch wirklich bereit dafür ist).
- Die Geburt -
Am Fr, 25.09. ging es schließlich los - nur 4 Tage nach dem errechneten Termin... Und es ging heftig los. Die Wehen waren von Anfang an regelmäßig, alle 5 Minuten - sie waren stärker als ich je gedacht hätte, aber noch gut zu verarbeiten. Ich war unglaublich motiviert. ;) Nach zwei Stunden konstanter Wehen fuhren wir schließlich ins Krankenhaus - mitten in der Nacht, so wie ich immer gedacht hatte. Der Befund war gut, es hatte sich bereits einiges getan, so dass uns die Hebamme über Nacht da behalten wollte. Aufgrund der späten Stunde (?!) wollte sie allerdings keine steigernden Methoden (Treppen steigen, spazieren gehen, baden...) anwenden, sondern ich sollte mich einfach melden wenn die Wehen stärker wurden. Wurden sie nicht. Die ganze Nacht veratmete ich Wehen im 5-Minutentakt. Es war noch ok, aber natürlich habe ich nicht geschlafen. Am nächsten Morgen dann - alles weg. Beim CTG nicht eine Wehe, der Befund genauso wie in der Nacht. Wir wurden wieder nach Hause geschickt, was unglaublich demotivierend war. Knappe zwei Stunden später meldeten sich die Wehen in einer Heftigkeit zurück, die für mich so überraschend kam, dass ich nicht damit umzugehen wusste. Es war höllisch schmerzhaft und ich bekam nie eine Pause von mehr als 3-4 Minuten um mich wieder zu entspannen. Wir fuhren also zurück ins Krankenhaus. Bei jedem Schlagloch dachte ich, ich müsste auf der Stelle sterben. :-/ Wieder im Kreißsaal verlangte ich sofort nach einem Schmerzmittel - die Heftigkeit dieser Wehen konnte nicht normal sein und es kostete mich schon jetzt viel zu viel Energie sie zu veratmen. Der Befund bestätigte, was man anhand der starken Wehen schon vermuten konnte - es würde schnell vorwärts gehen! Mit dem Schmerzmittel allerdings ging es um einiges besser und ich war richtig glücklich, endlich die antrainierte Atemtechnik anwenden zu können und mich wieder einigermaßen als Herr über meinen Körper zu fühlen. So konnte ich das bewältigen! Über die nächsten Stunden wurde alles natürlicherweise immer heftiger, aber wir näherten uns dem ersehnten Ziel - etwa 12 Stunden hatte ich bereits Wehen im 5-Minuten-Takt verarbeitet (inkl. einer schlaflosen Nacht) als alles eine dramatische Wendung nahm. Aus irgendeinem Grund schien es nur noch langsam weiterzugehen und die Kleine rutschte einfach nicht weiter nach unten, bzw. nur sehr sehr langsam und mühsam. Schließlich fielen ihre Herztöne ab...immer tiefer...und irgendwann musste es schnell gehen. Im Nachhinein sagte mir die Ärztin, es wurde entschieden dass das Kind in den nächsten 3-4 Minuten geboren werden muss, ansonsten war das Risiko einfach zu groß. Sie hatte die Nabelschnur um Bauch und Bein gewickelt, weshalb sie immer wieder zurück rutschte und sich die Herztöne immer mehr verschlechterten. Ich bekam von alledem nicht mehr viel mit oder ich kann mich einfach nicht mehr daran erinnern. Was ich noch vor Augen habe ist, wie sich der Raum schlagartig mit Menschen, inkl. Chefarzt, füllte und Gerätschaften hereingekarrt wurden...Ich hörte die Hebamme neben mir sagen "ich will jetzt dass deine Wehen länger werden, deshalb gebe ich dir etwas Oxytocin" - und zack war es auch schon gespritzt und machte die Wehen noch heftiger und länger. Dann war sie dicht neben mir, die Hände auf dem Bauch und erklärte, sie müsste mich die nächste Zeit leider "etwas fester umarmen" - selbst in diesem Moment wusste ich was das zu bedeuten hatte. Wir hatten keine Zeit mehr und es musste nachgeholfen werden - auch mit Druck von oben. Währenddessen wurde von der Ärztin die Saugglocke vorbereitet... Ich fing nur noch Gesprächsfetzen auf - Angaben von Mitteln die mir gespritzt wurden. Kurz war ich wohl weggetreten, da ich auf einmal meinen Mann neben mir sah, der mir über ein Gerät Sauerstoff zupustete. Ab da befolgte ich nur noch Anweisungen und gab einfach alles, alles was ich konnte und was nach den Stunden der Anstrengung noch möglich war. In diesem Moment habe ich meinen Körper völlig gekillt - meiner Mona ging es schlecht, es war sogar wahnsinnig gefährlich, ich glaubte schon ein konstantes piepen aus der Richtung des CTGs zu hören und nahm mich noch ein letztes Mal zusammen. Ich hoffte einfach dass es reichte. Und dass dieser Albtraum bald vorbei war. Und endlich war sie da - blau angelaufen, ohne Bewegung, schlaff in den Händen der Ärztin hängend. Der schockierendste Anblick in meinem Leben. Zu unserem großen Glück fing sie nur eine Sekunde später an lauthals loszuschreien und sich zu bewegen. Sie wurde kurz untersucht und mir anschließend sofort in die Arme gelegt. Und da war sie und hat sich unaufhörlich beschwert. Zum Glück. Leider stand ich noch immer völlig neben mir. Ich war unglaublich glücklich und trotzdem gleichzeitig einfach nur fertig. So fühlt es sich also an, wenn du WIRKLICH an deiner Grenze bist, dachte ich noch.
- Die Ruhe nach dem Sturm -
Seit drei Tagen sind wir nun zuhause und ich fühle mich so weit von mir selbst entfernt wie noch nie. Nicht nur dass alles neu und ungewohnt (und anstrengend) ist - was natürlich für frisch gebackene Eltern normal ist. Natürlich hat die Geburt Spuren hinterlassen. Ich habe von der brachialen Geburt einige sehr unangenehme Verletzungen zurückbehalten, die mich körperlich nach wie vor ziemlich belasten - ganz zu schweigen von den traumatischen Bildern in meinem Kopf. Aber so ist das und wir nehmen jetzt einen Tag nach dem anderen. Jeden Tag wird es etwas besser und jeden Tag lernen wir etwas dazu. Und morgens neben der kleinen Maus aufzuwachen und zu sehen dass es ihr gut geht entschädigt wirklich für vieles. Würde ich es wieder tun, dafür dass sie gesund ist und genau so neben mir liegt? Auf der Stelle und sofort. Werde ich jemals wieder ein Kind auf natürlichem Wege zur Welt bringen? Nein.
Ich habe in monatelanger Vorbereitung alles für eine natürliche, entspannte, selbstbestimmte Geburt gegeben - aber durch eine Laune der Natur, die niemand von uns beeinflussen konnte, sollte es nicht sein. Damit kämpfe ich noch und ich bin sicher die Zeit mit der kleinen Mona wird helfen das zu verarbeiten.
